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Bibliographische Angaben zur Publikation

Teilnehmer-Eingangsvoraussetzungen bei BvB-Maßnahmen mit Beginntermin Herbst 2010, Ausbildungen mit Beginntermin Herbst 2010 in Berufsbildungswerken

Eine Untersuchung im Auftrag der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke



Autor/in:

Seyd, Wolfgang; Schulz, Katrin


Herausgeber/in:

Universität Hamburg - Fachbereich Erziehungswissenschaft - Institut Berufs- und Wirtschaftspädagogik


Quelle:

Hamburg, Berlin: Eigenverlag, 2011, 81 Seiten


Jahr:

2011



Abstract:


Im achten Jahr hintereinander wurden die Eingangsvoraussetzungen der Teilnehmer an Lehrgängen in Berufsbildungswerken ermittelt. Daraus ergibt sich ein aufschlussreiches Bild von den körperlichen, mentalen und sozialen Voraussetzungen, die von den behinderten
Jugendlichen mitgebracht werden und die den Grund dafür liefern, ihnen in einer Spezialeinrichtung, kodifiziert in § 35 SGB IX, eine Berufsvorbereitung oder eine Ausbildung zu ermöglichen. Die diesjährige Erhebung ist allerdings stark gekennzeichnet durch einen erheblichen Belegungsrückgang sowohl bei den BvB-Maßnahmen als auch bei den Ausbildungen. Insgesamt sank die Zahl der Neueintritte um fast 1.000 von 8.516 in 2009 auf 7.558 in 2010. Das konnte nicht spurlos an den Daten vorübergehen. Der Rückgang belief sich auf 1.335 von 7.397 in 2009 auf 6.056 in 2010. So gilt es denn diesmal eine Hypothese zu prüfen, die auch eine Antwort auf die Gründe für diesen Rückgang zu liefern vermag: Die Arbeitsagenturen filtern die für die Berufsbildungswerke vorgesehene Klientel in starkem Maße, betroffen sind vor allem die 'leichter' behinderten Jugendlichen, so dass sich in der Eingangserhebung bei den Berufsbildungswerken zunehmend 'schwerere Fälle' befinden.

Was aber ist ein 'schwerer Fall'?
In der Erhebung zu den Förderlehrgängen 2003 hatte sich gezeigt, dass mit einem gewichtigen Vorurteil aufzuräumen ist: Damals waren die lernbehinderten Jugendlichen in den 28 Kompetenzkategorien als schwächste Diagnosegruppe identifiziert worden, ausgerechnet diejenigen, die von ihren körperlichen Voraussetzungen her meist nicht besonders auffällig erscheinen. Zu befürchten steht, dass diese Personen sich nunmehr verstärkt in ausgeschriebenen - und damit stärker dem Kostenminimierungsprinzip verhafteten Maßnahmen befinden, damit möglicherweise durch geringere Förderintensität auch geringere Eingliederungschancen über den allgemeinen Arbeitsmarkt in reguläre Beschäftigungsverhältnisse besitzen. Wir werden sehen, was die Daten zur Klärung beitragen können. Wie schon in den Einleitungen vorjähriger Berichte zum Ausdruck gebracht, ist die hohe Beteiligung an der Erhebung weiterhin äußerst erfreulich. Auch diesmal haben wieder fast alle der 52 Berufsbildungswerke teilgenommen. Schon damit werden anhaltend hohe Verlässlichkeit und starkes Interesse der Berufsbildungswerke an strategisch verwertbarem Datenmaterial zum Ausdruck gebracht. Die Akzeptanz der Teilnehmer-Eingangserhebung mag auch dadurch gefördert worden sein, dass die Einrichtungen seit fünf Jahren mit einer Auswertung ihrer eigenen Zahlen bedacht werden, die sie dann mit den Daten der Gesamtauswertung vergleichen können. Daraus können sie Konsequenzen für eine Positionsbestimmung ziehen und sich für inhaltliche Auseinandersetzungen in Kostensatzverhandlungen wappnen.

Die Untersuchungen werden seit Beginn der Erhebungen im Jahre 2003 von einem Fachausschuss der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke begleitet. Er trägt den Namen 'Adressaten' und ist mit sachverständigen Vertretern der Berufsbildungswerke besetzt. Vor mehr als sieben Jahren hat er sich eingehend mit dem Entwurf des Erhebungsinstrumentes befasst. Seither begleitet er die Durchführung und Auswertung konstruktiv- kritisch. Vor vier Jahren hat auf seinen Vorschlag hin der Vorstand der BAG BBW beschlossen, die Erhebung weiterhin jährlich vornehmen zu lassen, aber die Kompetenzeinschätzungen nur noch alle drei Jahre einzuholen, beginnend mit dem Anfangsjahrgang Herbst 2009. Dies war der Erkenntnis geschuldet, dass die Einschätzungen über die drei Beobachtungsjahre recht stabil ausgefallen waren, so dass der doch nicht unerhebliche Aufwand, den die jeweiligen BBW-Mitarbeiter mit der Einschätzung von immerhin 28 Kategorien betreiben mussten, nicht durch etwaige zusätzlich im jährlichen Turnus gewonnene Erkenntnisse zu rechtfertigen gewesen wären. Daher war auf den Bogen C für die Erhebungsjahrgänge Herbst 2007 und 2008 verzichtet worden; das gilt auch wieder für die Befragungen Herbst 2010 und Herbst 2011.

Bogen A war vom Sozialpädagogen und Bogen B vom Mediziner, ersatzweise - wo nicht vorhanden - vom Psychologen auszufüllen. Im Vorjahr war der Bogen C wieder eingesetzt worden und wir waren seinerzeit sehr gespannt auf die Antwort auf die Frage gewesen, ob sich der Personenkreis hinsichtlich der von ihm mitgebrachten Kompetenzen in den drei Jahren verändert hat oder im Wesentlichen gleich geblieben ist. Es gab eine auf den ersten Blick verblüffende Antwort: Im Wesentlichen waren die Kompetenzen übereinstimmend zugeschrieben worden, ausgenommen die praktischen Fähigkeiten, die von den Ausbildungsbeginnern mitgebracht worden waren. Hier war eine deutliche Abschwächung zu registrieren. Dies dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass immer mehr Jugendliche mit elektronischen Medien aufwachsen, diese auch meist besser und selbstverständlicher beherrschen als ihre Eltern und Großeltern, damit aber auch eine Art 'Virtualisierung der Erfahrungen' weg von ursprünglich in der Natur zu gewinnenden, insbesondere in der Auseinandersetzung mit Materialien, besser bekannt unter dem Begriff 'Basteln', Erfahrungen hin zu indirekt, per Medien vermittelten. Es wird von Jugendlichen immer weniger gesägt, gehämmert und gebohrt, so dass grundlegende handwerkliche Fähigkeiten nicht mehr oder nur noch selten ausgeprägt werden. Dieses Phänomen können wir in der vorliegenden Erhebung nicht nachverfolgen; dies wird erst wieder mit der Erhebung Herbst 2012 der Fall sein.

Die nachfolgend dargestellte Auswertung wird wiederum begonnen mit einer Zusammenfassung, in der die wichtigsten Ergebnisse und Erkenntnisse zusammengefasst sind ('für den eiligen Leser'). Im Gegensatz zu den Berichten der Vorjahre wird das Erhebungsprozedere nicht mehr im Anschluss daran beschrieben und begründet. Dies ist so oft geschehen, dass wir uns erlauben, die Darlegung der Vorgehensweise in den Anhang zu verschieben. Wir beginnen die Ergebnisdarstellung und -interpretation mit den Diagnosen und Diagnosengruppen (Bogen B) und lassen die soziografischen Angaben (Bogen A) folgen.

In diesem Bericht wird zum vierten Mal auf zwei Auswertungsroutinen zurückgegriffen: eine Statusauswertung auf der Basis der Daten für die BvB-Teilnehmer 2010 und Ausbildungsbeginner 2010 sowie eine Verlaufsauswertung, bei der nur der Personenkreis derjenigen BBWs betrachtet wird, die an den sieben Erhebungen 2004 bis 2010 teilgenommen haben. Da mit dem BBW Neckargemünd ein großer Leistungserbringer mit einem Teilnehmerkreis mit besonderen (schweren) Körperbehinderungen aus Gründen der Personalkapazität nicht an der Erhebung teilnehmen konnte und das BBW Bremen schon ein Jahr zuvor 'die Segel gestrichen' hatte, musste diese Auswertung - neu zusammengesetzt mit nunmehr 40 Einrichtungen - auch für alle Vorjahre völlig neu vorgenommen werden. Zusätzlich war schon im Vorjahr eine aus neun, diesmal sogar aus 11 Berufsbildungswerken bestehende Gruppe herausgegriffen worden, bei der davon auszugehen war, dass sich ihr Teilnehmerkreis, der über 90 Prozent lernbehinderte Jugendliche umfasst, in bestimmten Aspekten deutlich von der Gesamtklientel der Berufsbildungswerke unterscheiden würde.

Wir hätten auch gern die Spezialeinrichtungen für psychisch und Sinnesbehinderte gesondert ausgewertet, aber deren Teilnehmerkreis ist statistisch für eine isolierte Betrachtung zu gering. Insofern haben wir entschieden, es neben der Vollauswertung bei der Teilauswertung der Lernbehinderten-BBWs bewenden zu lassen. Die Auswertungen nehmen naturgemäß mit den zusätzlichen Jahrgängen einen immer größeren Auswertungs- und Interpretationsraum ein, der aus sich heraus bereits aufschlussreiche Verläufe wiedergibt. Kernergebnisse werden wieder in einer gesonderten Darstellung unter dem Namen 'MEGATRENDs' zu einer eigenständigen kleinen Broschüre zusammengestellt. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass seit vier Jahren eine Nachbefragung zum Verbleib der BvB-Teilnehmer durchgeführt wird, die sich im Auswertungszeitraum der TEE gerade im Erhebungsstadium befindet und mit einem gesonderten Bericht bedacht wird, dessen Veröffentlichung - wie inzwischen eingeführt - wieder für den Herbst dieses Jahres vorgesehen ist.

[Einleitung]


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Projekt Teilnehmer-Eingangserhebungen bei Berufsbildungswerken




Dokumentart:


Graue Literatur / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW)
Homepage: https://www.bagbbw.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0062/626110


Informationsstand: 20.12.2011

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