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Bibliographische Angaben zur Publikation

Ausbildungschancen von Jugendlichen im SGB II

Expertise



Autor/in:

Förster, Heike


Herausgeber/in:

Deutsches Jugendinstitut (DJI)


Quelle:

München: Eigenverlag, 2008, 108


Jahr:

2008



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Link zu der Expertise (PDF | 469 KB)


Abstract:


Mit dem 1.1.2005 trat das SGB II in Kraft. Dies bedeutete auch für eine ganze Reihe junger Menschen eine Veränderung im Hinblick auf die Fördermöglichkeiten ihrer sozialen und beruflichen Zukunft.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat sich im Gesetzgebungsverfahren zum SGB II positioniert und die Umsetzung des neuen Gesetzes insbesondere bezüglich der Folgen für Jugendliche begleitet. Mehrere Vereinigungen und Verbände haben in ihren Stellungnahmen darauf aufmerksam gemacht, dass die Jugendlichen im SGB II einer erhöhten Gefahr unterliegen, nicht ausreichend für eine berufliche Ausbildung gefördert zu werden und stattdessen zur schnellen Überwindung ihrer Hilfebedürftigkeit in irgendeine Tätigkeit vermittelt werden könnten. So sieht die Grundnorm zur Erbringung von Eingliederungsleistungen für Jugendliche im Rechtskreis SGB II - § 3 Absatz 2 SGB II - zwar eine unverzügliche Vermittlung von Jugendlichen in eine Arbeit, Ausbildung oder Arbeitsgelegenheit vor; hierbei hat jedoch die Vermittlung in Ausbildung keine Priorität.

Hinterfragt wurde auch, ob Arbeitsgelegenheiten für all diejenigen Jugendlichen eine passgenaue Förderung ermöglichen, die nicht in eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle vermittelt werden können. Es wurde auch befürchtet, dass die vorhandenen Hilfesysteme für Jugendliche - insbesondere zwischen den Rechtskreisen SGB II, III und VIII - zu wenig aufeinander abgestimmt sind (vgl. schriftliche Stellungnahme der BAGFW 2006; Wildt 2007). Vor allem zu Beginn der Umsetzung des SGB II zeigte sich deutlich, dass für viele Jugendliche Angebote vorwiegend in Form von Arbeitsgelegenheiten zur Verfügung standen (Förster 2006: 176), weil die Maßnahmen der Berufsvorbereitung bzw. außerbetriebliche Ausbildungsplätze (BAE) nicht in ausreichendem Maß eingeplant waren und kurzfristig nicht zur Verfügung gestellt werden konnten. Bereits im Jahr 2006 konnte dort eine bessere Angebotsstruktur verzeichnet werden. Für das Jahr 2007 wurden durch die Bundesagentur für Arbeit noch einmal zusätzliche Mittel in Höhe von 220 Mio. Euro bereit gestellt, um Jugendliche ohne Schulabschluss bzw. mit fehlender Ausbildungsreife gezielt zu fördern (vgl. BA 2007f). In dieser Zielgruppe befinden sich auch eine Vielzahl von Jugendlichen im SGB II.

Zugleich zeigt ein Blick auf den Qualifikationsstand der Jugendlichen im Rechtskreis SGB II, dass sich hier enorme Herausforderungen für die Qualifizierung und Arbeitsmarktintegration stellen: Gut ein Viertel der Jugendlichen im Rechtskreis SGB II verfügt über keinen Schulabschluss. Zwei Drittel sind ohne Berufsabschluss. Hierbei zeigt sich auch ein deutlicher Unterschied zum SGB III. Im Rechtskreis SGB II sind fast dreimal soviel Jugendliche ohne Schulabschluss zu betreuen, wie im Rechtskreis SGB III (BA 2007h). Um die Umsetzung des SGB II bei den Grundsicherungsträgern etwas differenzierter zu erfassen und die Steuerungswirkungen von außen näher zu betrachten, hat der Paritätische Wohlwartsverband diese Expertise im Rahmen seiner Federführung für den Themenschwerpunkt 'Arbeitsmarktpolitik und Jugendsozialarbeit' im Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit in Auftrag gegeben.

Im Mittelpunkt der Expertise steht die Fragestellung, inwiefern Jugendliche ohne Berufsabschluss vorrangig in eine Ausbildung und erst nachrangig hierzu in eine Arbeitsstelle vermittelt werden. Gleichermaßen interessiert, ob Jugendliche gezielt gefördert werden, um an eine Ausbildung herangeführt zu werden, soweit sie noch nicht über die nötige Ausbildungsreife verfügen. In diesem Zusammenhang ist auch zu überprüfen, ob und wenn ja in welchem Ausmaß es den Jugendlichen ermöglicht wird, fehlende Schulabschlüsse nachzuholen.

Im Einzelnen werden in der Expertise folgende Fragen untersucht:

Auf der Adressatenseite:
- Werden Jugendliche ohne Berufsabschluss vorrangig in eine Ausbildung und erst nachrangig in eine Arbeitsstelle vermittelt?
- Werden Jugendliche gezielt gefördert, um an eine Ausbildung herangeführt zu werden, soweit sie noch nicht über die notwendige Ausbildungsreife verfügen?
- Gibt es die Möglichkeit fehlende Schulabschlüsse nachzuholen und in welchem Umfang?
- Welche Angebote werden Jugendlichen gemacht (BAE, AGH, sonstige weitere Leistungen)?
- Welche Folgen hat der Rechtskreiswechsel SGB II-SGB III für die Jugendlichen?

Auf der Seite der Institutionen:
- Wie gestaltet sich die Kooperation zwischen den Arbeitsagenturen und den
Grundsicherungsträgern in Bezug auf die Angebote für die unter 25-Jährigen vor Ort?
- Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Grundsicherungsträgern und den Trägern der Jugend(berufs-)hilfe (Formen der Zusammenarbeit, Reichweite, Transparenz)?
- Wie wird die Ausbildungsstellenvermittlung realisiert und mit welchem Ergebnis?

Auf der Steuerungsseite:
- Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen wirken auf die Angebotsstruktur der Grundsicherungsträger?
- Wie sehen die Zielvereinbarungen, die mit den ARGEn geschlossen werden, bezogen auf die unter 25-Jährigen aus?
- Auf welches Kennzahlensystem greift die BA bei der Bewertung der Grundsicherungsträger zurück, welche Kennzahlen fehlen für eine adäquate Beschreibung der Leistungsfähigkeit für die unter 25-Jährigen?
- Welche interregionalen Vergleiche sind auf Grundlage der Kennzahlen möglich?
- Wie sieht die Steuerungswirkung durch die BA aus, auf welche Bereiche erstreckt sie sich?

Damit sind eine Menge Fragen aufgeworfen, die in der folgenden Expertise zumindest in Ansätzen beantwortet werden sollen.

Im Kapitel zwei wird die methodische Anlage der Expertise kurz umrissen.

In Kapitel drei geht es um die Beantwortung der Fragen auf der Steuerungsseite. Dafür werden Aussagen aus den Interviews mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der BA sowie der Grundsicherungsträger bzw. der lokalen Arbeitsagenturen herangezogen. Gleichzeitig werden Materialien ausgewertet, die die BA zentral zu Verfügung stellt, um den Prozess der Umsetzung des SGB II zu unterstützen (Handlungsempfehlungen, E-Mailinfos, Geschäftsanweisungen usw.).

Die bisherigen Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien zum SGB II sowie statistische Daten aus der BA werden im Kapitel vier kurz vorgestellt. Dabei muss vorangestellt werden, dass die Forschungen des IAB - was die Evaluation von Maßnahmen angeht - noch relativ am Anfang stehen, erste Ergebnisse liegen hier vor allem für die Beschreibung der Voraussetzungen und sozioökonomischen Hintergründe für die Jugendlichen vor.

Den Kern der Expertise bildet das Kapitel fünf. Dort werden die Ergebnisse der qualitativen Interviews in fünf Standortbeschreibungen dargestellt, die vor allem die Fragen zur Adressatenseite und der institutionellen Zusammenarbeit beantworten werden.

Im Kapitel sechs werden die zentralen Ergebnisse aus den untersuchten Standorten zusammengefasst.

Aus den Interviews, die im Verlauf der Erstellung der Expertise geführt wurden, ergeben sich eine Reihe von Ansatzpunkten, die für die Arbeit der Grundsicherungsträger relevant sind und für die Interessenvertreter der Jugendlichen im Sinne von weiteren Forschungs- bzw. Beobachtungsbedarfen eine Rolle spielen. Diese werden im Kapitel sieben vorgestellt.

An dieser Stelle möchte ich allen InterviewpartnerInnen danken, die sich häufig sehr kurzfristig Zeit für die Beteiligung an dieser Untersuchung genommen haben und sehr offen über ihre Erfahrungen und Probleme, aber auch über gute Beispiele im Rahmen der Umsetzung des SGB II für die unter 25-Jährigen gesprochen haben. Ich hoffe, dass die Ergebnisse in ihrer Gesamtheit auch für die Arbeit in den jeweiligen Kommunen bzw. Landkreisen genutzt werden können und somit zumindest eine kleine Gegenleistung von unserer Seite erbracht werden kann.

[Aus: Information der Herausgeberin]


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


13. Kinder- und Jugendbericht




Dokumentart:


Graue Literatur / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


DJI - Verlag und Publikationen
Homepage: https://www.dji.de/nc/medien-und-kommunikation/publikationen...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV4170


Informationsstand: 28.09.2010

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